Gephleckt - Von der Sonne und dem Wind

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O, ein Buch!

Gephleckt? »Gephleckt - Von der Sonne und dem Wind« ist der erste veröffentlichte Roman von Christian Wassermann. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine verträumte, flüsterleise Wanderung durch die afrikanische Savanne, erlaubt einen kurzen Blick, nicht minder tiefen Einblick in das Leben der Bewohner dort. Deren Freuden lässt er uns fühlen, und das ganze Leid, der Zank mit dem verhassten Biest und die Liebe zu dem ander’n Tier.

Verhasstes Biest? Das kann man so sagen, denn die Protagonisten sind durchweg Tiere, die sich mit ihren naturgesetzlichen Eignungen und Erkenntnissen und Begriffen die Welt erklären. Da haben wir also wilde Biester, furibunde Geparde, verschlafene Löwen, wutschnaubende Gnus, lüsterne Zibetkatzen - alles ist dabei.

Ornament - Tawny und Phleck vereint

Eine Geschichte mit tierischen Charakteren?

Da drängt sich die Frage nach der Art der Erzählung auf wie der Löwe seiner gewogenen Löwin. Denkt man an Tiere, denkt man an eine Fabel. Und zugegeben, an einigen Stellen erinnert die Geschichte an eine Lehrdichtung, gibt Anstoß zum Nachdenken, ist in den meisten Teilen jedoch nicht mehr als eine leichte Erzählung mit erwachsenen Tieren und erwachsenen Sorgen darin. Die Handlung streift zwangsläufig viele dem Leben innewohnende Themen, will diese aber niemals zum Gegenstand haben oder gar Lösungen der gesellschaftlichen Probleme aufzeigen, höchstenfalls benennen.

Wer das Wort der Erzählerin, Hatibu heißt sie, wörtlich nimmt und nicht nach Dingen zwischen den Zeilen sucht, findet darin ein Märchen, das ein kleines Stückchen Leben der afrikanischen Savanne erzählt. Wer mit dem nüchternen Menschenaug darauf sieht und alles »ohne Ton« betrachtet, erkennt das wilde Leben in seiner instinktgetriebenen Leidenschaft. Doch mit der Sprache der Tiere wird daraus ein Blick auf die Gesellschaft mit all ihren Sorgen und Nöten, den Freuden und Schmerzen, die das Miteinander mit sich bringt.

Zwischen herbem Klamauk und bitterem Ernst und honigsüßer Liebe auf ca. 870 Seiten ist also alles dabei, mariniert in eine an »Tom Sawyer« erinnernde, teils augenzwinkernd verschnörkelte Schreibart nach Manier des »Steppenwolfs«, ohne sich je an den Meisterwerken messen zu wollen oder dies gar zu vermögen. In einem Wort: Es ist keine Tiergeschichte, aber es ist eine Geschichte mit Tieren. Das waren sogar elf Worte und ein Komma. Jene Leser, die »Unten am Fluss« liebten, könnten auch dieses Werklein mögen.

Aber worum geht es denn nun?

Zwar ist’s Geschehen nicht so düster wie die besagte Hasengeschichte, hält mit seinem tierischen Porträt des Lebens jedoch manch tragische, manch frohgemute Momente bereit und nicht wenige Begleiterscheinungen des Zusammenlebens innerhalb einer Gesellschaft – vom wortwörtlichen Rassenhass, dem Argwohn wider Fremde und angeborenen Vorurteilen ist da die Rede, von Verrat und Liebe, aber auch von katz’ger Folklore und (Aber)Glaube. Das Leben, eben.

Ornament - Tawny und Phleck vereint

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Gephleckt - Von der Sonne und dem Wind

Christian Wassermann

29,99 € Buch / 9,99 € eBook

Pumuzi vom roten Gabelbaum und Jua vom Dornenhain – zwei Sonnenläufer wider rauflustige Erdmännchen und schiedliche Nashörner, dazwischen belehrende Giraffen und tolle Löwen und mörderische, besser noch mordsdämliche Hyänen. Zwei rasend schnelle Geparde eingeholt von ihrer Vergangenheit. Kann das gut ausgehen?

Die Geschichte, ein Zeugnis vergangener Tage, entführt euch in entlegene Teile Afrikas – unerschlossen, wild, ursprünglich. Dort, fern der gewohnten Ordnung, weitab von Sanftmut und Erbarmen, begleitet ihr zwei Geparde auf dem gemeinsamen Weg durch ihre schöne, raue Welt. Was zunächst nach Einklang klingt, ist bald schon Katzenjammer, denn sind jene auch von gleicher Art, haben beide nicht viel mehr gemein als ihre Ungleichheit. So fände man sie unter keinen erdenklichen Umständen je zusammen vor, und eben das Undenkbare zwingt sie dazu – beide vereint auf zauberhafte Weise. Als sei diese Sache nicht genug Beschwer, entdecken sich den zweien bald neue Fährden, eine dem Tode näher als die andere. Und über allem liegt ein dräuender Schatten, ausgeworfen von einer unheilvollen Allianz, gedungen, die gesamten Graslande zu verdunkeln.

Jetzt erhältlich

2. Auflage

Ca. 870 Seiten voller Leben

ISBN 978-3-758-31100-0
ISBN 978-3-758-39412-6 (eBook)

Veröffentlicht am 01.12.2023

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Vorwörtchen

Ehe ich anhebe, muss eines in Erwägung gezogen werden: Eine Einführung ins Geschehen, die sich in ihrer Kürze ohne gebührliche Charaktervorstellung zurechtfinden muss, kommt vermutlich mit der erzählerischen Gewandtheit eines wandelnden Untoten daher – das Hineinversetzen mag schwerfallen, wenn man kaum etwas über die Motivation der Protagonisten weiß. Aber ich will versuchen, die nötigen Dinge so aneinanderzureihen, dass daraus eine verstehbare Handlung wird. Freilich wäre’s besser, zuvor die unten angehängten Kurzbeschreibungen der Charaktere in näheren Betracht zu ziehen.

Was war passiert?

Die Geschichte beginnt recht weit an ihrem Ende – im Moment, da sich der Leser der Wahrhaftigkeit des in den Händen gehaltenen Buches vergewissert, wird er Zeuge, wie ein männlicher Gepard Namens »Phleck«, der auch »Pumuzi« heißt, von einem dümmlichen Pack Hyänen zunächst verlacht und dann gemartert wird, damit er den Aufenthalt der Gepardin »Tawny« preisgab. Phleck weiß nichts zum Verbleib besagter Katze – das bringt ihm weitere Züchtigungen ein, an deren Ende er von den Hyänen verschleppt wird.

Die Leopardin »Hatibu«, unsere Sprecherin hoch in einem Akazienbaume, muss gestehen: Sie weiß nicht, wohin Phleck verbracht wird und was mit ihm fürderhin geschehen soll. Aber sie will die Ohren für uns offenhalten und berichten, sobald sich Neues zur Entführung entdeckte. Indessen bietet sie sich als Erzählerin an, auf dass dem Leser innewürde, warum dieser Phleck überhaupt entführt wurde, anstatt noch an Ort und Stelle den Tod zu finden, wie sich’s in der Wildnis gehörte. Und sie will alles über diese Tawny verraten, die Grund genug für’s fieberhafte Vigilieren ist.

Akt 1

Der Auftakt der Verhängnisse reicht acht Tage zurück - in einer Nacht, der Sonne näher als dem Mond, harrt die Gepardin Tawny im Verborgenen aus. Sie beobachtet ein schlafendes Löwenrudel, flankiert von der Hoffnung, die Löwen brächen im Zwielicht zur Jagd auf - das böte ihr Gelegenheit, die zurückgelassenen Jungtiere zu überfallen. Und tatsächlich ziehen die Löwen nach dem Erwachen aus zur Pirsch. Alles fügt sich wunderbar.

Man kann gar nicht schnell genug erfragen, weshalb das gefleckte Raubtier - dem Löwengeschlecht in allen Kräften unterlegen - einen Angriff auf den Leu entwirft, da springt die Gepardin aus dem Dickicht und hält auf die Jungen zu. Es kommt zu einem ausgemachten Tumult mit wilden Rufen, kopflosen Läufen und Staub, so weit das Auge reicht. So kann es nicht fehlen, dass Tawnys Treiben bald entdeckt wird; die Jagdgesellschaft kehrt zurück, um dem wildgewordenen Weib mit einem angemessenen Groll den nötigen Einhalt zu gebieten.

Die Löwinnen umringen die Gepardin, indes hält die Pranke des Mähnenlöwen Kiongozi das verhasste Fleckenvieh am Boden. Triefende Fänge, Knurren, Fauchen – alles wohl geeignet, einen prächtigen Ärger vorzustellen. Das Ende der Katze scheint gekommen, doch plötzlich geschieht etwas Seltsames: Obwohl die Todfeindschaft zwischen Löwe und Gepard den jähen Tod Tawnys vorsieht, beschließt die Rudelführerin, dem gefleckten Biest das Leben zu lassen. Dieses eine Mal noch, und nur unter dem Protest des Rudels, soll die Gepardin fortleben.

Nach der Freilassung flieht Tawny.

Zu dieser Zeit erwacht Gepard Phleck auf seiner Anhöhe – die Einheimischen nennen diesen Ort »Mtazamo mzuri«. Nach dem morgendlichen Erwachensritual und einem seltsamen Gespräch mit einer nicht weniger seltsamen Kreatur – gemeint ist die Zibetkatze Mnuko – macht sich der Kater zu einer nahegelegenen Farm auf, denn er will dem dortigen Hirtenhund die Aufwartung und fernerhin ein Geschenk machen. Es ist für’s weitere Verstehen nicht zu wissen nötig, welchem Zwecke das Geschenk dient oder wie’s zur Freundschaft zwischen Gepard und Hund kam oder wie man das Gespräch der beiden - es nährt zweifellos die Zweifel am gesunden Geist des Geparden – gleich nach dessen Ankunft nehmen muss, wichtig ist allein: Von Hund und Kater unbemerkt, naht sich auch Tawny der Farm.

Ihr Besuch ist nicht zufällig; wann immer die Gepardin von einem Ingrimm befallen oder ohne Orientierung ist, sucht sie den Hüter und dessen Schafe heim; sie nennt den verdammten Hund einen Schuldigen für ihr verdorbenes Leben, nur seinetwegen ist die Gepardin orientierungslos und grimmig, und nur deshalb verdient der Brack nichts anderes, als das alltägliche Leid mit ihr zu teilen. Damit das Leiden des Hundes das volle Maß erreichte, harrt die Katze im Verborgenen aus, bis sich Kater Phleck von seinem Gefährten verabschiedet.

Kaum ist der männliche Gepard fort, dringt das umtriebige Weib in die Einhegung ein und trieb ihr Unwesen: wilde Hufe, kopflose Läufe, Staub, heilloses Durcheinander. Lange geht das nicht gut; vom Getöse aufgerüttelt kommt der aufrechtgehende Affe, zugleich Besitzer der Farm, herbei und vertreibt das gefleckte Untier mit dröhnender Waffengewalt. Tawny entkommt dem Tod durch den »Donnerstock« nur um Fellhaaresbreite – einmal mehr an diesem Tag.

Zu diesem Zeitpunkt ist kaum etwas von Tawny bekannt, aber wollte man in der Furie ein Unheil sehen, könnte man sagen, das Unheil nahm nun seinen Lauf. Jenes Unheil läuft geradewegs auf Phlecks Anhöhe zu - lange würde es also nicht mehr dauern, bis das zornige Vieh ins Leben des Geparden stolperte, um es auf den Kopf zu stellen. Oder wirft Phleck das Leben Tawnys um?

Wie geht es weiter?

Ja ich weiß, es zeugt von einem niederträchtigen Wesen, just an jener Stelle die Erzählung zu unterbrechen, da sie ihren eigentlichen Anfang nimmt, aber ich möchte euch nicht die Freude nehmen, die kleine große Welt von Tawny und Phleck zu entdecken.

Gephleckt - Von der Sonne und dem Wind

Bestellen Sie ihr Exemplar von: Gephleckt - Von der Sonne und dem Wind, erhältlich als Druck oder eBook.

Christian Wassermann

Ca. 870 Seiten voller Leben

ISBN 978-3-758-31100-0
ISBN 978-3-758-39412-6 (eBook)

Veröffentlicht am 01.12.2023

Protagonisten und Charaktere

Lernt einige der Protagonisten und Charaktere der Graslande kennen.

Ornament - Hyänen
  • Tawny

    Protagonist - Tawny

    Der wahre Name der Gepardin ist Jua vom Dornenhain, Mzaas Tochter, Tochter des Wakila. Jua ist ein recht kleines Exemplar ihresgleichen - oft genug wird sie darum von Mnuko geneckt. Abseits dessen ist sie ein bemerkenswertes Beispiel für Schönheit. Ihr Ebenmaß wird nur von ihren sonnengleichen Augen übertroffen, die geeignet sind, jeden Kater beim bloßen Anblick ins Schwärmen zu versetzen. Außen ist sie bezaubernd schön, im Innern ist sie nur mehr hässlich – launisch, abweisend und bissig und scheinbar ohne Sitte, wiewohl sie den Alten Landen entsprang.

  • Phleck

    Protagonist - Phleck

    Phlecks gebürtiger Name ist Pumuzi vom roten Gabelbaum, Sohn der Koo, Sohn des Tulu, Behüter der Anhöhe, Treiber des verirrten Schafes und einige mehr. Er ist ungewöhnlich hochgewachsen, aber auch - eingedenk seines mangelnden Jagdgeschicks - furchtbar unterernährt, verziert mit struwwelig stumpfem Fell, einem gebrochenen Fangzahn und bekümmertem Blick. So gesehen ist er das äußerliche Gegenteil Tawnys. Dafür ist er im Innern bemerkenswert schön. Diese innere Schönheit bewahrt den Außenseiter aber nicht von der Hässlichkeit des Lebens.

  • Mbwa

    Charakter - Mbwa

    Er ist ein alter Berner Sennenhund. Niemand weiß, wie er, der so fremdländisch wirkt, ins ferne Afrika passt. Er selbst sagt von sich, er sei seit seiner ersten Erinnerung immer hier dagewesen. Der Hund ist pflichtbewusst, und wie man’s dem treuen Gemüt des Hirtenhundes nachsagt, unterwirft er sich dem Menschen und seiner Aufgabe als Hüter der Mashamba. Und an dieser Aufgabe trägt er schwer, seit Tawny alles dafür tat, sie ihm schwerzumachen.

  • Mnuko

    Charakter - Mnuko

    Viel lässt sich nicht sagen über die Vergangenheit der Zibetkatze. Und vermutlich würde niemand etwas von ihr wissen, wenn nicht Phleck zur rechten Zeit am rechten Fleck gewesen wäre, um sie aus den Klauen einer mafiösen Bande Erdmännchen freizukaufen. Ja es ist nicht zu glauben, diese kleinen Biester wollten der Zibetkatze das Fell über die Ohren ziehen. Dem Retter dankte’s Mnuko, indem sie nicht mehr von seiner Seite wich. Daraus ward eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Geparden und einer von Mnukos niederen Stand.

  • Ngwena

    Charakter - Ngwena

    Das uralte Krokodil - mindestens fünf Katzenleben überdauerte sie nun schon am Ziwa ndogo - pflegt keine Bekanntschaften und hat keine Feinde. Man kann immerhin sagen, sie ist über die Maße nachtragend und starrsinnig. Ebendieser Starrsinn lässt sie einen unbändigen Hass auf Tawny entwickeln. Der Grund dafür muss freilich geheim bleiben.

  • Fisi

    Charakter - Fisi

    Hinter dem Ziwa ndogo, gleich neben den Mahali ya simba, erstrecken sich die Fisi ardhi, beherrscht von jener verrufenen Hyäne mit dem schiefen Maul, dem halben Ohr, dem finster‘n Blick und einer Gestalt, die man in ihrem Ausmaß für einen Löwen halten möchte. Die Anführerin des Clans kennt keine Skrupel, ist leicht aufzubringen, ist kaum schlau, aber längst nicht blöde - ein gefährliches Biest.

  • Memba

    Charakter - Memba

    Viel ist nicht bekannt über jene Hyäne, ein über die Maße intelligentes und geduldiges Tier. Mancher behauptet, sie war einst Führerin des Hyänenstammes in den Verlorenen Landen. Zu der Zeit begab sich, dass sie die Herrschaft mit einem Schlag an die ruchlose Pfote des großen Hyänenschreckens verlor und aus ihrer Heimat verdrängt ward. Durch die Wirrungen des Lebens gelangte Memba als Untergebene in den Stamm der Fisi Ardhi.

  • Kiongozi

    Charakter - Kiongozi

    Kiongozi, Sohn des Mtwala, Sohn der Asali ist der Hüter des Dornstrauch-Rudels - Mvyele, Sumbuo, Kizuka, Kijana, Usononi und seine drei Jungen. Der junge Mähnenlöwe ist trotz des löwentypischen Temperaments umsichtig zu nennen, ja beinahe unsicher ob seines Alters und versucht lediglich, sein Rudel zusammenzuhalten. Aber begegnet er Tawny, verliert er jede Besonnenheit an den Zorn.

  • Myvele

    Charakter - Myvele

    Ihr gebürtiger Name ist Mvyele vom Kratersee, Tochter der Saba, Tochter des Ngana, Hüterin der Gelbgräser und Königin des Dornstrauch-Rudels. Wenn Mvyele gerufen wird, ist die Rede von einer vom Leben gezeichneten und höchstlich respektierten, einstmals wunderschönen, aber auch gestrengen Löwin. Die gebürtige Altländerin erlitt in ihrem langen Leben eine Reihe löwentypischer Prüfungen: zwei Rudelübernahmen, an die Wildheit der Natur verlorene Jungtiere, das Verlassen ihrer umkämpften Heimat. Doch die letzten Sommer als Rudelführerin – sie nennt sie gute Jahre - machten aus ihr eine besonnene und nachsichtige Katze, die trotz der schweren Momente niemals ihre Empfindsamkeit verlor. Des täglichen Überlebenskampfes ungeachtet, ist sie imstande, ihren angeborenen Hass auf andere Rassen abzulegen. Wenn sie es denn will. Einst wäre es ihr möglich, sich den Sonnenläufern anzunähern. Damit machte sie der Großen Mutter die größte Freude.

  • Jaro

    Charakter - Jaro

    Jaro sieht man häufig aufrecht sitzend, er erscheint bei näherem Hinblick bräunlich, erscheint auch etwas struppig und fett ist er obendrein – ein Erdmännchen eben. Ein wirklich fettes Erdmännchen ist er, und während man seine ungewöhnliche Erscheinung feststellt, muss man deren Gewöhnlichkeit anerkennen, denn da es dünne Erdmännchen gibt, muss es auch fette geben, damit es die Dünnen überhaupt geben kann. Das leuchtet ein. Wie jenes Vieh zu seiner räuberischen Lebeneinstellung kommt, blieb bisher verborgen.

Ornament - Ngwena

Leseprobe

Wer nicht warten will, bis er das Buch in den Händen hält oder die bloße Neugier nicht gebändigt bekommt, findet hier eine Pfote voll Kapitel, die ein wenig vom Geschehen verraten sollen, ohne allzu viel zu verraten. So lernt ihr immerhin manche der Charaktere kennen und erlebt Tawny und Phleck bei ihrem typischen Treiben.

Kapitel 3: Löwenerwachen

Kapitel 3

Löwenerwachen

Tag 1 – Morgengrauen

E

he ich an den Anfang aller Ereignisse komme, bitte ich euch, günstiger Leser, meine gelegentliche Wildheit zu verzeihen. Es ist nicht immer leicht, das ungestüme Wesen unseres Geschlechts zu bezähmen, trotzdem darf es keine Ausrede für derlei Flegelei sein. Vergebt mir meine stürmische Art, und wenn ihr es fertigbringt, wollen wir die anfängliche Erregtheit ganz vergessen, wollen neu beginnen, auf dass nichts mehr zwischen uns ist, das einen Groll hervorbringt.

Ich bin Hatibu, eine Weibliche vom Geschlecht der Leoparden. Der Name Hatibu hat in unserer Sprache vielerlei Bedeutung; die trefflichste ist die des Wächters oder Beobachters. Und wie es der Name gemahnt, sehe ich seit sieben Wintern auf die Graslande herab. In all der Zeit war ich die Geliebte dreier Kater, und ich sah viele Geliebte und deren Gemahle, ich erzog vier Junge zur Selbständigkeit, und ich sah viele Mütter ihre Kinder aufziehen, ebenso viele Jungen sah ich an der Natur zu Grunde gehen, wie auch ich zwei Söhne an das raue Gemüt der Natur verlor. Fürwahr, nichts entkommt meinem Blick aus dem Geäst, und so entgingen mir auch nicht jene Begebenheiten, die dem entführten Kater Phleck das Leben heute so beschwerlich machen.

Das ist also die Geschichte von der Sonne und dem Wind.

 

Funkelauge

Als Erzähler wird mir ein wortgetreuer Vortrag zur ersten Pflicht. Als berufener Redner wird es mir zum guten Recht, der gezähmten Nüchternheit zum Trotze, den Tathergang in ungebändigten Bildern darzutun. Dem Lauschenden, im besten Falle träumend und ganz dem Worte hörig, soll eines zur Gewissheit werden: Er selbst sei Teil des Geschehens gewesen. Und so will ich euch nun einführen in die Szenerie.

Das heißt, ich wollte es schon tun, doch sagt mir, hochgeschätzter Leser, wie beschreibt man Dunkelheit? Am Anfang aller Verhängnisse – man gestatte mir das unheilvolle Klischee gleich zu Beginn der Erzählung – war es finsterste Nacht, und selbst jene, die nicht dem Schlummer verfielen, sahen kaum mehr als der geschichtenlauschende Träumer mit den geschlossenen Augen. Nicht einmal die eigene Pfote vor dem Aug ließ sich erkennen, und versuchte man es trotzdem, verschwand hinter vorgehaltener Hand der krallenförmige Mond, der zwar nicht viel, doch immerhin genug vom Leuchten sagen konnte, sein blasses Dasein zu erweisen. Wem das matte Bild nächtlicher Vergangenheit zu wenig Eingebung ist, der behilft sich mit dem Anblick tagheller Gegenwart; die besagten Ereignisse sind gerade einmal acht Tage alt – gestern wie heute herrschte Trockenzeit in den Graslanden, mit Nächten voll des halben Viertelmondes.

Aber zurück zur Dunkelheit – es war nicht gänzlich finster. In der Schwärze ließ sich ein Augenlicht entdecken, und wer nur halb so halbherzig hinsah, erkannte gleich zwei davon. Ganz ohne blinzelnde Gegenwehr, vom Mondenlicht entfacht, blitzten sie auf und verrieten im hochmütig leuchtenden Wesen die Katzenartigkeit ihres Herren, der tatsächlich eine Dame war. Nein, nein es war keine Dame im hehren Sinne, bloß eine Dame in Anbetracht ihrer Weiblichkeit.

Mehr als das funkelnde Auge war zunächst nicht herauszufinden – nicht der Rest des Katzentieres, nicht der Strauch, der jener Funkeläugigen zur Verborgenheit verhalf und nicht das belauerte Treiben jenseits des Gestrüpps. Ich will euch nicht lang im Dunkeln tappen lassen: Das Tier hinter dem Strauch war Tawny. Da saß also jenes Mistvieh vom Geschlecht der Geparden, die bei Phlecks Entführung in aller Munde war, jene Katze mit den zwei Namen, die Kungwi gern in seinen Klauen hätte, weil Fisi einen Anspruch auf ihren Leib erhob. Ebendiese Gepardin lauerte hinter einem Gesträuch, und ihre reglosen Augen behielten etwas im Blick, blinzelten kaum, hielten es mit gleicher Beharrlichkeit wie die dauernden Rufe der Zikaden.

Zikaden? Ja, Zikaden hörte man in dieser Nacht, Zikaden so weit das Hören reichte, und Zikaden viel, viel weiter. Zikaden waren überall. Wie in jeder Nacht. Kein Wind verwehte die einfarbigen Laute, nur zuweilen durchstrich ein Hauch das von Trockenheit raschelnde Gras. Mal überstimmte ein Brüllen das Zirpen, mal verriet ein flatterndes Geräusch den aufsteigenden Vogel, ein anderes Mal rief ein Zebra von Ferne zum anderen herüber, dann übernahm das zirpende Durcheinander wieder. Sonst regte sich nichts.

Bis eben.

»Verschwinde!«, zischte Funkelauge unvermittelt. Eher fauchend denn sprechend, überwältigte der jähe Ruf die Grillenstille, und eine Pfote trachtete nach dem ausgemachten Störenfried. »Weg da! Weg da!«

Dem Störenfried, ein Schmetterling von durch und durch purpurner Erscheinung, mochte der in fauchendem Akzent gehauchte Widerwille nichts bedeuten. Er trotzte dem Schütteln und Rütteln Tawnys, ließ sich gar auf ihrem Kopf nieder und war durch keine Regung zu vertreiben. Fuhr eine Pfote über das besetzte Ohr, tat der Schmetterling einen Luftsprung zum anderen Lauscher, bis ihn die zweite Pfote zurück auf das Erste bat. Wild wirbelten die Augen des geschüttelten Hauptes, hielten kurz inne und wirbelten erneut umher. Sie glichen, wie von Sinnen, dem umtriebig sinnlichen Treiben leidenschaftlicher Leuchtkäfer.

Wer kann schon sagen, was im flatterhaften Köpfchen frech flatternder Insekten vorgeht? Mir war, als wollte dieses hier die Gepardin von ihrem besessenen Vorhaben abbringen. Aber ist diesen kleinen Biestern ein solches Maß an Überlegtheit zuzutrauen? Nein, vermutlich machte sich der Schmetterling bloß einen Spaß daraus, aufreizend zahnreiches Getier zu necken. Was es auch war, das den Schmetterling toll werden ließ, sein schwirrendes Wirken blieb nicht ohne Wirkung, wie weiteres Kopfschütteln an der Gepardin verriet.

»Verschwinde endlich!«, zürnte die Raubkatze verdrossener als zuvor. Katzes Krallen bürsteten das juckende Ohr, ein Grollen kam den Krallen zu Hilfe, und nach dem Knistern im Gestrüppe kam eine geschwungene Pfote dazu, rasch eilte die zweite Pfote herbei, und beide zerschnitten nun fuchtelnd die Luft. Von wechselnden Seiten kamen die Tatzen daher, angefeuert von lauernden Augen und hellhörigen Ohren – tatbereite Pfoten verlangten einen genauen Bericht, in welche Richtung der Unmut der Kallen zu lenken war. Ohne Erfolg. Im Düsteren ließ sich selbst von einer Funkeläugigen nicht genug vom Insekt ausmachen, drum trug die Katze den Schmetterling mit Fassung und richtete den glühenden Blick auf das einstige Ziel hinter’m Gesträuch.

 

Löwenerwachen

Erstmals drangen Laute aus jener Richtung, die Funkelauge – bedenk ich es recht – mit halbnächtlicher Beharrlichkeit ausspähte. Es war kaum mehr als das dauernde Flüstern des Grases, das von meinem Baume nicht zu vernehmen, und zwischen den Graslauten war da ein Leuchten zu sehen, nur kurz, ehe es von einem Schmatzen verschluckt ward.

»Endlich!«, knurrte Tawny.

Das kurze Wort, leise aufgesagt, war bedeutsam wie ein Befehl – vergessen waren juckende Horcher. Erst eine angespannte Haltung angenommen, spähte die Gepardin gleich danach ins Dunkel jenseits des Strauches, Ohren lauschten, und sogar der Leib der Katze drängte zum Strauche hin, als gab selbst die geringe Annäherung mehr Aufschluss über das Jenseits. Der Schwanz prasselte von einer Seite zur anderen, strich Gras zu Boden, richtete es im nächsten Streich auf, von sitzender Bequemlichkeit keine Spur, nun da sich die erhitzte Späherin nicht mehr zu entscheiden vermochte, ob sie lieber saß oder dastand. Nicht anders erging’s dem vormals starren Blick der Katze – voller Ungeduld ging er hinauf zu den Sternen, sich sehnend nach dem fahlen Licht des Morgens.

»Hoch mit euch! Worauf wartet ihr Faulpelze?«, schimpfte sie.

Als bedurfte es des Schimpfes durch eine Sonnenläuferin, hielt plötzlich Lebendigkeit Einzug in die müde Folie, als hinterm Gesträuch ein neues Funkeln aufschien, nur zwei Schritte entfernt vom ersten Schimmer. Besah man den neuen Schimmer in seiner ganzen Breite, erkannte man darin einen feuchten Glanz eines vom Mond beschienenen Irgendwas, länglicher Gestalt. Seltsam glatt. Und etwas anderes war seltsam: Der Schimmer kam stets in einer Vierzahl vor – zwei Große über zwei Kleineren. Zähne! Es waren Zähne in gähnenden Mäulern schläfriger Löwen, und in Anbetracht der Schimmer an drei weiteren Erdenflecken, war das meiste vom Schlafen getan.

Das Rudel erwachte.

Erstmals regte sich ein Schwanzquast, und schließlich der Rest von Tieres Ende, dieses kam auf dem Hinterteil eines Anliegers zum Liegen, und jener Leu tat es in gleicher Weise. Im Widerspiel kehrte sich der müde Jäger auf die Seite, legte riesige Pfoten auf dem Nächstgelegenen ab, bis sich der Belegte, jäh erweckt, von hinnen wandte, dabei das Maul zum Gähnen aufriss, seinerseits den Schwanz verlegte und die großen Pfoten einem anderen Löwen zum Geschenk machte. In kürzester Zeit vollzog ein jedes Löwentier das Erwachensritual, das selbst den Jüngsten geläufiges Brauchtum war. Ab und an drang ein Brüllen aus gähnender Kehle, ermuntert vom Grollen einer Gepardin im Schatten des Dickichts.

Wie an jeden Morgen fanden zuerst die Löwenkinder – zwei volle Monde erlebten sie schon – einen Weg, sich über die Behaglichkeit des Liegens zu erheben, um erst den neuen Morgen, später die Mutter zu grüßen. Dazu presste sich ein Junges mit einem beherzten Schubsen des stupserprobten Hauptes an den Schopf der Mama. Würde dieser Gruß nicht umgehend erwidert, folgte darauf eine weitere, nicht minder entschiedene Kopfnussnachricht – eine letzte Mahnung, ehe der nächste Gruß aus vollem Lauf entrichtet würde.

Jetzt ward es ernst für Mama Löwe – dem ersten Jungen folgten zwei andere Königskinder; sie waren gleichen mütterlichen Ursprungs und zeigten sich in Dingen entschlossenen Köpfchengebens ähnlich wohlerzogen. Eines war gewiss: Fand die Löwenmutter nicht unverzüglich auf die Läufe, sich der eingeforderten Artigkeit zu ergeben, begann ihr junger Tag mit Kopfweh.

 

Hatibus Besserwissen #1: Gepflogenheiten

Und damit heiße ich euch willkommen zur ersten Ausgabe von »Hatibus Besserwissen«, dem Periodikum für besseres Wissen wider vermeintlich besseres Wissen, zur Verurteilung von Vorurteilen, zur Klärung des Unerklärlichen, zur Aussprache des Unaussprechlichen.

Hielte man es mit den Gepflogenheiten der Katzen – ich meine nicht die Löwenart allein –, folgte auf das geschnurrte Grußwort ein strenges Zeremoniell, bei dem pausenlos Köpfe und Nasen und Mäuler aneinandergepresst werden. Dazu streichen sie unablässig mit allen ausgestellten Körperteilen am anderen entlang, bis die Hälfte des eigenen Duftes auf den Kontaktempfänger überging oder einer der Beteiligten einen Brummschädel hat, je nach dem, was erstens eintritt. Sie werden eins, eine olfaktorische Einheit, wenn man so will.

Was schon bei paarweise auftretenden Katzentieren zur Geduldsprobe erwächst, artet bei Löwen gänzlich aus; so gehen ganze halbe Tage ins Land, bis sich auch das letzte Rudeltier dem anderen füglich verpflichtet fühlte und ein jeder der Zuneigung des anderen versichert ward.

Ein Außenstehender würde allein ob des Erscheinungsbildes von Familienbande sagen, und bestellte es der Anblick einmal nicht, genügte wohl das gesprochene Grußwort für die Erlangung von Unzweifelhaftigkeit. Zugegeben, ein nacktes Wort reichte für’s bloße Erkennen aus, aber wir Katzen geben uns nur selten mit dem Ausreichenden zufrieden. Wozu Verzicht üben? Hält man den körperlichen Empfang des Katzengeschlechts dagegen, erscheint dieser innig im Vergleich zum nüchternen Grußwort, entgegnet Vertrauen, erwidert Zuneigung, schwört allzeitigen Beistand. Es ist kein schlichter Gruß, es ist ein öffentliches Bekenntnis: Du bist mir nahe, du bist ein Teil von mir.

 

Aufstehen

Alle Löwen waren wach, ebenso viele wussten um die Aufgaben des Tages, und nicht weniger lagen still darnieder, vom Aufstehen nicht eine Spur. Sah man das gegenseitige Belauern, musste man denken, ihnen sei das frühe Erwachen nicht geheuer, und es verlöre seinen Schrecken erst, wenn sich ein Todesmutiger unter ihnen – besser wären zwei, gesetzt den Falle, der eine irrte und lebte unvermutet fort – aus dem Grase hob und die Unbedenklichkeit des allmorgendlichen Wagnisses bezeugte. Demzufolge geschah nichts, und bis dahin deuchte’s Liegen vergnüglicher als Stehen.

Ein dumpfes Grollen aus Bauch heraus war dem Einzigen mit Mähne genug Ermutigung. Sein beherzter Schwung warf ihn, den größten der Neun, auf die Bauchseite, er setzte die riesigen Pranken auf, das Ächzen folgte, in dessen Begleitung sich der Löwenleib aus dem Gras erhob. Allzu weit kam der Mähnige in seiner verträumten Entschlossenheit nicht; sobald er in den Stand fand, suchten sich Krallen Halt, die Löwenbrust senkte sich bis hinein in die Gräser, während sich das Löwenende zur selben Zeit gen Himmelsfeste reckte. Sagt, wer traute dem ungelenken Klotz eine solch leidenschaftliche Darbietung zu? Trotz der alltäglichen Gebärde war da kein Zeichen von Gewohnheit, dafür sah man eine vollkommene Biegung, die ihre Fortsetzung im quastbesetzten Schwanz des Katers fand. So will ich vom Strecken sagen!

Wie sich das dunkelmähnige Oberhaupt reckend und streckend gab, schwand alle Trägheit aus den anderen Löwen. Eine jede Löwin verbog sich nach ihren Launen: Die eine tat es liegend und schnurgerade, zweifach groß, eine andere vollbrachte es rollend bei normaler Löwenlänge, zwei Schwestern standen im Wettstreit mit dem Mähnenlöwen, und eine Graue reckte sich im Gehen.

Der Mähnige schüttelte die Mähne, stapfte gähnend zwischen seinen Gattinnen hindurch. Er schenkte den umstehenden Weibern den Löwengruß, verteilte zottelig sachte Kopfstöße, die bei aller Zärtlichkeit dumpf zu Ohren kamen, und ließ er Kind und Kegel hinter sich, die Schlafstatt zu verlassen. Verlassen meinte, einige Schritte aus der Mitte der Katzenbande herauszutreten und verschlafene Blicke an die Welt zu richten. Beim stillen Umherblicken blieb es nicht; der hiesige Mähnenlöwe hob ein weitverbreitetes Gebrülle an, um jedem mit Ohren in Erinnerung zu rufen, wer dieses Land bewohnte und wer es nicht kampflos preisgab – nicht das Anwesen und nicht die Löwinnen, die auf seinem Anwesen hausten. Das musste gesagt werden, jeden Morgen auf‘s Neue.

Nachdem die Besitzansprüche kundgetan, führten Katers Schritte an die Seite der vorausgegangenen Löwin. Diese trug ihr Fell grauer, als es sandfarbene Löwinnen gemeinhin taten, und sie war nicht mehr einfarbig, schien gestreift. Rötlich schimmerten die Stellen, an denen das Fell nicht mehr wuchs, stattdessen entsetzliche Narben die Haut bedeckten. Jede Einzelne sagte von einem Kampf, und alle zusammen erzählten vom dornenreichen Löwenleben.

»Es ist so weit!«, sagte der Mähnige zur Grauen.

Das Ohr der alten Löwin, zerfurcht wie alles an ihr, wandte sich zum Löwenmanne hin; ihr Blick blieb stur auf den Anfang der Welt gerichtet, von wo aus die Sonne ihren Aufstieg begann. »Schon jetzt?«, sagte die Löwin.

»Es ist schon spät. Wir sollten uns beeilen.«

»Übereilte Jagden fallen selten gut aus.«

»Aber die Kleinen sind sicher hungrig und-«

»Die Kleinsten heißen dich eilen?«, sagte die Löwin mit einem Schmunzeln, ohne den Blick von der Morgendämmerung zu nehmen. »Bis eben schien es mir, als erinnerten sich ihre Bäuche noch lebhaft an das letzte Mahl, und mehr als ausgelassenes Spiel entbehrten sie nicht.«

»Trotz und allem mache ich mir Sorgen.«

Männchens Worte waren liebevoll, ganz ergeben, und waren doch niemals weniger als ein Grollen. Erstaunlich, so gefühlvoll sein Wort gedacht, es blieb ein Brüllen selbst im Flüsterton – das Gebrüll eines Löwen eben. Die alte Löwin vernahm’s und nickte nur, sagte sonst nichts mehr. Sie wollte sehen, ob ihr jener mit Mähne weitere Bedenken antrug und sogar die Kleinsten als Vorwand nahm, anstatt der Aufrichtigkeit die Ehre zu geben und das Wort zu überlassen.

Und der Männliche tat ihr den Gefallen: »Die Jungen sollen nicht warten, bis ihnen der nächste Hunger auflauert. Welch ein Vater wäre ich, würde ich zusehen, wie sie Hunger leiden?«

»Ach, Geliebter, wie viel der rührenden Sorge gilt wohl dem Kindeswohl und wie viel dem Wohl des eigenen Bauches?« Sie blickte zum Löwen, und da traf das falsche Entsetzen des einen auf das richtige Schmunzeln der anderen.

»Jede Sorge gilt den Kleinsten!«, erwiderte der Überführte. Er, der längst mit dem fliehenden Ernst im Antlitz kämpfte, wollte aber nicht aufstecken. »Versuche, mich zu verstehen: Lieber einmal zu viel-«

»O, ich verstehe es zu gut: Lieber ein Mahl zu viel als ein Mahl zu wenig«, erwiderte die Löwin mit einem herzhaften Lachen, das bei aller Freude darin, tief im Klang, etwas Beängstigendes barg. Ehe der Moment zu ausgelassen ward, besann sie sich der Besonnenheit. »Doch sieh, es ist nicht die rechte Zeit!«

»Aber die Sonne schläft nicht mehr lang. Bald entdeckt sie jede Deckung, die vorher im Dunkeln lag. Dann werden uns selbst die Nachtblinden auf einen Lauf Entfernung auswittern.«

»Willst du mich darüber belehren, wie das Jagen zu machen ist?« Ernst blickte die Löwin auf den überragenden Löwen, das Lachen wich aus ihrem Antlitz. »Wir können nicht aufbrechen! Es ist zu früh für eine Hatz, sage ich!«

Wie das Lächeln wich nun auch das Männchen von der Alten. Der Mähnenlöwe erwartete kein solch harsches Widerwort aus grauer Löwin Maul; wohl ahnte er, dass sein Weib etwas von ihm einforderte. Was es sein mochte, blieb dem Manne verborgen, und so beließ er es beim Schweigen – sagte er nichts, so der Gedanke, konnte nichts Falsches darunter sein.

Und die Löwin? Die verlor die wenige Geduld. »Kiongozi, Mtwalas Sohn!«, brüllte sie, stieß dabei den sichtbaren Atem in die morgendliche Frische.

Der Gescholtene, Kiongozi hieß er also, stand noch immer still, verstand nicht viel und wagte keinen Laut aus dem sonst so vorlauten Maule. Auch die umstehenden Rudeltiere ließen vom Reden; alle Blicke galten den beiden Katzen: Da stand eine ungehaltene Löwin, deren einzige Regung das Wippen der Schwanzspitze war und ein nicht minder starrer Löwe, dessen gedankenvolle Lippen einige Worte erprobten, von denen keines je zur Sprache kam.

Allzu lang mochte sich die Erzürnte nicht an ihrer Empörung aufhalten, da schenkte sie ihrem Löwen ein sanftes Lächeln, wie es nicht an dieser Löwin zu vermuten, nachdem sie so vorzüglich zürnte. »Kiongozi sag, wie lange möchtest du mich hinhalten? Sind dir die Blutjungen des Rudels näher als das ergraute Weib? Wohl verstünd ich’s, obgleich es mir zu großem Kummer taugte.«

Erst jetzt, als goldene Augen begehrend glänzten, ward Kiongozi das Versäumnis inne – zur rechten Zeit, will ich sagen, denn hätte er sich seinen Gedanken nur einen Augenblick länger hingegeben, wäre‘s Licht der Dämmerung seiner Erleuchtung zuvorgekommen.

Da verneigte sich der große Löwe leicht und sagte: »Nicht eine ist mir kostbarer als die andere. Ihr seid mir alle lieb und teuer.« Sprach’s und nahte sich, das Mähnenhaupt in Demut gesenkt, dem verschmähten Weib. Er drückte seine Wange an den Hals der alten Katze, streifte Kinn und Kehle dann und folgte hinauf zum Maul. »Verzeihe meine Gedankenlosigkeit, Mvyele

Schnurrend erwiderte Mvyele die zu lang vorenthaltenen Zärtlichkeiten eines plumpen Katers und sprach danach so sanft, als war der Groll niemals gewesen: »Nun ist die Zeit für eine Jagd.«

Die Übrigen eilten herbei, die Zärtlichkeiten nachzuholen.

Einige Illustrationen

  • 01-bis-einer-weint.jpg Von Parden und Lämmern
  • 02-die-erzaehlerin.jpg Hatibu, die Erzählerin
  • 03-guten-morgen-phleck.jpg Mnuko bei ihrer Lieblingsbeschäftigung
  • 04-unerhoerte-weckmethoden.jpg Unerhörte Weckmethoden
  • 05-der-gehoernte-oder-die-kuh.jpg Autsch!
  • 06-draeuende-gefahren.jpg Trügerische Stille
  • 07-ansichten.jpg Abschied
  • 08-nicht-mehr-und-nicht-weniger.jpg Nicht mehr und nicht weniger
  • 09-so-spielt-man.jpg So spielt man
  • 10-war-es-schoen-fuer-dich.jpg *knurr*
  • 11-dir-zeig-ichs.jpg Flammen
  • 12-katzenjammer-jetzt-erst-recht.jpg Derpy Mnuko

Der Autor

Christian Wassermann, ältestes von drei Kindern, mittelgroß, mit Augen mittelgrün, im Mittel mittelalt und mittlerweile mittellang langmütig verehelicht, lebt seit vierzehn Jahren in Wiesbaden. Bei Tage ist er nüchterner Softwareentwickler, bei Nachten ist er Befreier des Leichtsinns und Lustbarkeit. Als Mann der leisen Worte, wortverspielt, alliterationsvernarrt, ist ihm das Schreiben näher als das Reden.

Er liebt es, alltägliche Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder gar neue Blickwinkel zu erschwindeln, etwa indem er durch das Auge eines Tieres auf unsere Welt blickt – so geschehen in seinen Kurzgeschichten. Was, wenn eine Katze auf die ägyptische Sphinx träfe? Wie wäre es wohl, wenn arglosgeglaubte Erdmännchen wahre Bösewichte wären? Wie mag es ausgehen, wenn sich ein Biber, dem der Waldmeister im Nacken sitzt, nach einer neuen Stammbelegschaft umschaut?

Nimmt man seine quälende, und wie er sagt, nicht zu zähmende Faszination für die wilden Katzen Afrikas hinzu, was liegt da näher, als zwei Geparden in seinem Debüt-Roman »Gephleckt – von der Sonne und dem Wind« das meiste Wort zu erteilen?

Ornament - Mvyele mit ihren Jungen

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Christian Wassermann
Alexander von Humboldt Straße 38
03222 Lübbenau

Ornament - Tawny und Phleck vereint

»Tierisch«

Lust auf weitere Tiergeschichten? Einfach mal heraus aus der sengenden Hitze der Savanne und hinein in den kühlen Wald oder hinaus in die saukalte Winternacht? Dann ist die kleine Reihe »tierischer« Geschichten genau das Richtige.

Buchvorstellung von »Verdammt! - Von Igeln und Bibern«, dem tierischen ersten Band der »Tierisch«-Reihe von Christian Wassermann

»Verdammt!«

»Verdammt! - Von Igeln und Bibern« ist der erste Band - wohl eher ein Bändchen - der »Tierisch«-Reihe von Christian Wassermann. Zum Start der Reihe nimmt der Autor den Leser mit auf einen Streifzug durch den heimischen Wald. Eine Tragödie.


Buchvorstellung von »Verliebt! - Die Streuner vom Scheunentor«, dem tierischen zweiten Band der »Tierisch«-Reihe von Christian Wassermann

»Verliebt!«

»Verliebt! - Die Streuner vom Scheunentor« ist der zweite Band - wohl eher ein Bändchen - der »Tierisch«-Reihe von Christian Wassermann. In der Fortsetzung der Reihe nimmt der Autor den Leser mit auf einen Streifzug durch die Vorstadt. Ein Drama.



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